Homeserver, Rootserver oder doch Gameserver? Ein Vergleich zwischen Serverformen

Dieses Thema im Forum "Diskussion" wurde erstellt von Thomas, 6. Mai 2014.

  1. Thomas
    Offline

    Thomas

    Registriert seit:
    14. Juli 2011
    Beiträge:
    644
    Hallo Community,

    nach einem Beitrag in dem erstmal einiges rund um den Homeserver klargestellt werden musste, habe ich mich jetzt entschieden, diesen Beitrag zu schreiben, um die Vorteile, Nachteile und Probleme der verschiedenen Hostingformen darzustellen. Ich ziehe dabei einen Vergleich zwischen den Betrieb eines Homeservers, das Unterstellen eines Servers im Rechenzentrum (sogenanntes Housing), den Betrieb eines Gameservers, V-Servers und Rootservers (dedizierter Server).

    [HR][/HR]
    Haftungsausschluss:

    Ich erstelle diesen Beitrag um den Leuten die Vor und Nachteile aus meiner Sicht zu erläutern. Ich übernehme KEINE Haftung für Schäden (weder finanziell noch sonstiger anderer Art und Weise), die aus diesen Beitrag entstehen können, wenn man ihn falsch liest oder versteht. Es können auch Fehler vorkommen - diese bitte an mich melden, sie werden 1000%-tig korrigiert.
    [HR][/HR]

    1. Der Betrieb eines Homeservers

    Der Betrieb eines Homeservers mag im ersten Moment viele Vorteile bieten: Man muss keinen Server mieten und scheinbar entstehen keine Kosten. Man lässt einfach einen Computer 24/7 laufen - meistens interressiert es ja Mama und Papa nicht. Im Gegensatz zum Rechenzentrum ist man direkt vor Ort und kann Wartungsarbeiten direkt durchführen, außerdem ist ja der Stellplatz zuhause kostenlos. Es ist zu schön um wahr zu sein, aber der Homeserver bietet viel zu viele Nachteile.

    Zunächst gehen wir den Aspekt des Stromverbrauches ein. Ein Computer braucht viel Strom. Je nach Alter und Hardware kann das schonmal Stromkosten über 300€ pro Jahr bedeuten, wenn man den Computer 24/7 in Betrieb hat. Das müssen eure Eltern bezahlen. Die werden sicherlich misstrauisch, wenn die Stromkosten auf einmal richtig ansteigen, und schauen mal nach was ihr so treibt. Das kann ganz schön Ärger geben. ;)

    Ein wichtiger Punkt ist die Hardware. Einige Leute hier im Forum sind ja der Meinung, dass ein uralter gebrauchter Server gut geeignet ist, vorallem weil er ja ganz günstig ist. Er birgt aber auch allerlei Probleme und Gefahren. Das größte Problem ist Ersatzhardware - die bekommt man zwar auf Ebay, aber bis die da ist, dauert es ein paar Tage und die meisten Spieler haben sich einen neuen Server gesucht. Zudem besteht bei alter Hardware die Gefahr, dass sie bei einem defekt in Flammen aufgeht. Dann steht schnell das Zimmer in Flammen - und das wird sehr teuer! Dies wird begünstigt dadurch, dass man zuhause nicht in der Lage ist, die Hardware ordentlich zu kühlen.

    Kommen wir zum ISP (das ist das Unternehmen, was euren Internetanschluss stellt, zB Telekom, KabelDE, Unitymedia, KabelBW, Vodafone, O2, Arcor, Telefonica, ...). In den meisten AGBs der ISPs ist es geregelt, dass man bei einem Privatanschluss KEINEN öffentlichen Server betrieben darf! Wenn ihr dagegen verstoßt, kann dieser euch fristlos kündigen.

    Beispiel Unitymedia AGBs (Link)
    Beispiel Vodafone AGBs (Link)
    Beispiel Kabel Deutschland AGBs (Link)
    Das wärs erstmal zu den AGBs. Kommen wir zur Verbindung. Zunächst einmal steht bei den Privatanschlüssen zwar ein guter Downlink zur Verfügung - aber der Uplink erreicht grad einmal ein Bruchteil der Geschwindigkeit des Downlinks. Bei Unitymedia sieht das zum Beispiel so aus, dass man bei 50 Mbit/s Download grad mal 2.5 Mbit/s Upload hat. Mit 2.5 Mbit/s Upload kann man nicht viel anfangen. Für 2-3 Freunde reicht das noch, aber danach wird es problematisch. Für viele Spieler reicht das also nicht aus. Aber wir sind noch nicht fertig. Nicht jeder hat den selben ISP - das hast du sicher auch festgestellt. Deswegen kann es vorkommen, dass dein Freund, der in der gleichen Straße wohnt, einen schrecklichen Ping hat und einen hohen Paketverlust verkraften muss. Dies liegt daran, dass die ISPs oft untereinander garnicht oder nur schlecht pearen und die Verbindung erstmal durch ganz Deutschland geht, manchmal über mehrere Provider. Dies schränkt den Spielspaß natürlich erheblich ein. Als letztes möchte ich erwähnen, dass es dazu kommen kann, dass eure Mitbewohner, sei es Mama Papa Schwester oder Bruder dank dem Server das Internet kaum noch nutzen können.

    Bedenkt alle diese Punkte. Man sieht dass ein Homeserver nicht für viele Spieler geeignet sind und der Betrieb nicht mal von ISP erlaubt ist.

    2. Housing

    Sicherlich denkt ihr nun, was ihr tun sollt, ihr habt einen Server daheim und wisst nicht weiter. Eine Möglichkeit ist das Housing. Dabei stellt ihr den Server ins Rechenzentrum und lasst ihn vom Provider einrichten.

    Der Betrieb im Rechenzentrum bietet viele Vorteile:
    Bedeutend ist, dass man eine gute Anbindung ans Internet hat. Die Rechenzentren stehen oft an Internetknotenpunkten, wie zum Beispiel dem DE-CIX in Frankfurt. Da dort viele ISPs angeschlossen sind, hat man gute Pings. Weiterhin sind die Stromkosten dort auch geringer und die Kühlung der Server ist viel besser (dank Doppelboden und Klimaanlagen). Außerdem sind die IPs im Rechenzentrum statisch und man kann ohne weiteres mehrere IPs bekommen.

    Ein paar kleine Nachteile gibt es aber auch:
    Falls ein HW-Defekt auftritt müsst ihr Ersatzhardware einbauen lassen, dies kostet zum einen die Hardware und die Arbeitszeit vom Mitarbeiter bezahlen. Dafür ist aber in kurzer Zeit neue Hardware eingebaut. Ihr solltet darauf achten bei der Wahl des Rechenzentrums, dass es dieses Feature anbietet.

    Wichtig: Ihr solltet sicher sein, wenn eure Eltern oder ihr den Vertrag unterschreibt, dass eure Haftpflicht das mitversichert. Falls nämlich der Server abraucht, kann die Löschanlage ausgelöst werden - das wird teuer wenn eure Haftpflicht das nicht versichert. Lieber einmal mehr bei der Versicherung nachfragen.

    3. Gameserver

    Ein Gameserver bietet viele Vorteile, denn man hat kein Administrationsaufwand am Hostsystem und oft ein einfaches Webinterface installiert. Leider kommt es bei einigen Anbietern vor, dass die Hostsysteme überladen sind, außerdem ist der Ram im Vergleich zu einem V- oder Rootserver teurer. Aber trotzdem ist es das beste für die, die keine Ahnung von Linux haben oder keine Lust auf den Administrationsaufwand haben. Zudem sind viele Hoster auf das PrepaidSystem umgestiegen, sodass man nicht an einen Vertrag gebunden ist und der Server einfach ausläuft, wenn man ihn nicht mehr bezahlt. Außerdem kann man bei den meisten Prepaid-Hostern den Server up- und downgraden wie man möchte.

    Guter Hoster bieten für den Gameserver extra-features, zum Beispiel ein Backupsystem, den Standardport 25565, One-Click-Installation, ...

    4. vServer

    Der V-Server (auch Rootserver) ist wie ein dedizierter Server, einziger Unterschied zu ihm ist, dass viele von ihnen auf einem großen Hostsystem laufen. Dies bietet auch Nachteile, denn wie beim Gameserver können die Hostsysteme überladen sein oder noch viel schlimmer - die Anbindung vom Hostsystem ist schlecht. Weiterhin braucht man für V-Server Linux-Kenntnisse, denn sie müssen eingerichtet und abgesichert werden, da man für sie voll haftbar ist. Er erfordert mindestens einen Administrationsaufwand von 1-2 Stunden pro Woche, wenn man einiges automatisiert, sonst noch mehr. Bei V-Servern gibt es 2 Virtualisierungstechnologien, zum einen per OpenVZ, welches zwar nur Linux virtualisieren kann dafür aber sehr schnell ist und zudem bei den meisten Hostern auch günstiger, und KVM, welches für Server mit Desktop (VNC) geeignet ist und auch Windows kompatibel ist. Die meisten Hoster bieten beide Formen an, überlegt euch vorher was ihr machen wollt und lasst euch gegebenenfalls beraten. Wählt die Form, die am besten zu euren Bedürfnissen passt. Ein guter V-Server reicht locker für 2 Minecraft-Server à 20-30 Slots sowie einen Bungeecord, dabei sollte man nicht umbedingt am Preis sparen. Denn Billig und Gut vertragen sich nicht. :)

    Achtung Falle! Die Definition Rootserver ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Bei manchen Anbietern ist der Rootserver ein dedizierte Server, bei manchen allerdings nur ein V-Server (meist auf KVM Basis). Man sollte genau hinschauen bevor man etwas bestellt.

    5. dedizierter Server

    Der dedizierte Server (auch Rootserver) ist ein komplettes Hostsystem, auf dem man die kompletten Ressourcen der Hardware zur Verfügung hat. Der dedizierte Server zeichnet sich dadurch aus, dass man sich den Uplink zum Switch nicht teilt und man auf ihn installieren kann wie man will. Außerdem kann man auf ihm auch V-Server hosten und somit die Systeme an die verschiedenen Bedürfnisse anpassen (zB Webserver, Minecraftserver, ...). Der dedizierte Server ist im Gegensatz zum V-Server teurer, da zum einen die Betriebskosten (Strom, Stellplatz, Traffic, IP-Adressen, Uplink, Lizenzen) bezahlt werden müssen und auch der Hoster was verdienen will (der auch den Preis der Anschaffung der Hardware wieder reinholen muss). Weiterhin lagert ein guter Hoster auch Ersatzhardware, welcher er einbaut, falls was kaputt geht. Diese muss man im Gegensatz zum Housing nicht bezahlen.

    Der dedizierte Server ist wie der V-Server mit einem hohen Administrationsaufwand verbunden. Man ist für ihn voll haftbar. Wenn man keine Ahnung von ihnen hat - lieber Finger weg! Weiterhin ist beim Rootserver oft eine längere Vertragslaufzeit vorhanden und man muss ihn bezahlen - nicht wie ein Gameserver mit Prepaidsystem, welcher ausläuft, wenn man nicht mehr bezahlt. Im schlimmsten Fall gibts Post vom Inkasso.

    [HR][/HR]


    Jeder sollte für sich selbst entscheiden, was für eine Serverform er möchte. Ich empfehle jeden einen Gameserver und an die Personen, die etwas Ahnung von Linux haben, einen guten V-Server. Es gibt dort ein paar gute Anbieter, bei Interresse vermittele ich gerne. Nicht jeder, der denkt dass er einen dedizierten Server braucht, braucht wirklich einen. Ich denke in mehr als der Hälfte der Fälle ist er nicht nötig.

    Falls jemand Entscheidungshilfe braucht - die kann man bei mir auch bekommen. Einfach per PN melden. Ich hoffe ich konnte mal etwas klarheit in die Hostingformen bringen. Wer Verbesserungsvorschläge hat, darf sie gerne mir mitteilen.
     
    #1
    BayCraft, jensIO, TheAweCrafter und 3 anderen gefällt das.
  2. [Dev] iTzSasukeHDxLP
    Offline

    [Dev] iTzSasukeHDxLP Ehem. Teammitglied

    Registriert seit:
    5. Januar 2014
    Beiträge:
    938
    Guter Beitrag! Kennt man zwar alles schon, ust aber für viele sicher hilfreich.

    Pinne ich heut Nachmittag mal in meiner Signatur an.
     
    #2
  3. illumi241
    Offline

    illumi241

    Registriert seit:
    30. Juni 2012
    Beiträge:
    161
    Ort:
    Mannheim
    Minecraft:
    illumi241
    Schöner Beitrag.
    Allerdings:
    Stimmt nur halb, man hat ein eigenes Kabel zum nächsten Switch, danach teilt man sich bei vielen Hostern auch oft den Up und Downlink nach außen oder sogar RZ intern.
    Es gibt auch vServer mit einer besseren Anbindung als manche dedizierten Server, kommt immer darauf an, wo man ist und was man zahlt ;)
     
    #3
  4. DasSvenSyndrom
    Offline

    DasSvenSyndrom

    Registriert seit:
    12. März 2015
    Beiträge:
    10
    Sehr schöner und informativer Beitrag!
    Da ich erstmal klein mit Bungeecord anfangen möchte, habe ich vor einen Vserver zu mieten. Welchen Anbieter kannst du empfehlen, wo man viel für sein Geld bekommt? Preislich dachte ich an so ca 20 Euro, für 10 - 12 gb
     
    #4
  5. [Dev] iTzSasukeHDxLP
    Offline

    [Dev] iTzSasukeHDxLP Ehem. Teammitglied

    Registriert seit:
    5. Januar 2014
    Beiträge:
    938
    Dazu bitte einmal die Hosterwertung durchsehen: https://minecraft-server.eu/board/index.php?forums/hosterwertung.43/
     
    #5
  6. LetzPlay
    Offline

    LetzPlay

    Registriert seit:
    16. März 2015
    Beiträge:
    2
    Minecraft:
    LetzPlay
    Die Problematik bei Game- oder vServern liegt oftmals, wie ich aus eigener Erfahrung kennenlernen durfte, an der Hardware. Der RAM ist zwar wie bestellt aber der Rest taugt oft nichts und der Server laggt ohne Ende.

    Auch muss man bei "billig" Hostern aufpassen, einige verbauen uralt Hardware, andere haben kaum Anbindung. Auch bei der Minecraftdatenbank gesperrte IP-Adressen wurden mir schon verkauft, genauso wie kaputter Arbeitsspeicher.
     
    #6