Ich bin ja schon erstaunt darüber, wie leute hier das Urheberrecht verstehen. Erstmal kann ich überhaupt keine EULA verletzen oder unterworfen sein, wenn ich ihr nie zugestimmt haben, das mal gleich am Anfang, weil das scheint hier bei der Hälfte schon überhaupt nicht klar zu sein. Dann weiß ich auch nicht, wo Mojang auf die EULA hinweist. Erfolgt der Hinweis auf die EULA nicht beim Erwerb der Software, dann ist sie nach deutschem Recht schlicht nichtig. Überhaupt gelten die Bedingungen, die ihr beim KAUF akzeptiert habt, PUNKT. Wenn ihr nun ein Update runterladet, dann besteht die Möglichkeit, dass ihr dafür natürlich eine neue AGB oder neue Bedingungen bekommt, wobei auch hier der Hinweis während des Updates und vor der Kauf (bei einem Update in Minecraft gibt es natürlich keinen) erfolgen muss.
Nachdem wir das geklärt haben, gehen wir mal zum Geltungsbereich der EULA über: Wenn ich mir im Internet das Protokoll von Minecraft besorg und darauf einen Server programmier, dann bin ich Urheber, das ist in fast jedem Land so. Das bedeutet, dass ich frei über meine Arbeit verfügen kann und da bekommt überhaupt niemand einfach irgendwelche Rechte oder kann mir die Nutzung in bestimmer weise untersagen. Das Minecraftprotokoll ist in Deutschland nicht schützbar, es ist für Mojang nicht möglich mir die Implementierung zu untersagen oder überhaupt irgendwelche Bedingungen zu unterstellen. Und wenn ansonsten kein Mojang Code drin ist, dann kann ich mit diesem Server verkaufen, was ich will und wie lang ich will. Es spielt auch keine Rolle, ob ein Client sich damit verbinden kann, denn wie gesagt: Mein Server unterliegt keiner EULA, das ist MEIN Server (wir reden noch immer von einer eigenen Implementierung). So funktioniert Urheberrecht.
Nur hat Minecraft noch den Authservice, der die Nicknames validiert. Okay, das ist ein Dienst von Mojang, vor dessen Nutzung wir gewisser Bedingungen zustimmen könnten, wenn Mojang das wollte. Hier wäre es sogar möglich die gewerbliche oder kommerzielle Nutzung zu verbieten. Wär zwar egal, weil so einen Authservice kann ich ebenfalls nachbauen und die Spieler können über umgeschriebene DNS Einträge dann auf meinen Authserver verbinden, damit bin ich nach wie vor nicht im Geltungsbereich der EULA (Wohl gemerkt ICH, als Serverbetreiber mit einer eigenen Software). Der Spieler ist es vielleicht, wobei ich bezweifel, dass das ändern der DNS Einträge bereits als Modifikation gilt, die man in Deutschland per EULA verbieten könnte, aber da bin ich unsicher. Natürlich könnte Mojang auch den Nutzern des Clients verbieten den Client für das Verbinden auf nicht-Mojangserver zu verbieten. Ich wünsche viel Spaß beim kontrollieren.
Also bisher haben wir einen Server, der nach wie vor für jede Art von Betrieb genutzt werden darf. Aber natürlich hat niemand so einen Server und nun werden viele sofort an Bukkit denken. Für Bukkit ist die Sache GANZ einfach. Bukkit ist GPL -> DONE. Die GPL erlaubt uns die freie Modifikation, Verbreitung und auch kommerzielle Nutzung. Also kein Problem. Okay, nun könnte ich ja jede Software klauen, als GPL irgendwo veröffentlichen und dann behaupten, ich hätte die von dort geladen, obwohl der Hersteller dem natürlich nicht zugestimmt hat. Also erstmal würde ein solcher Hersteller mich in diesem Fall vermutlich totklagen. Entscheident ist also, ob die Veröffentlichung unter der GPL rechtens war. Hier kommen wir nun an die Stelle, die auch für den Download von Musik über Youtube relevant wird: Was müssen wir annehmen? Darf ich annehmen, dass ein Kinofilm vor Start in den Kinos legal auf Youtube gelandet ist? Ganz klar Nein! Darf ich annehmen, dass Adobe über einen russischen Account in einem Forum völlig kostenfrei als GPL anbietet? Ebenfall nicht! Also vorauf will ich hinnaus? Ganz einfach: Darf ich annehmen, dass eine modifizierte Software eines Computerspiels rechtmäßig unter der GPL veröffentlicht wurde, wenn zwischen den Leitern der Entwicklung (Bukkit) und dem Hersteller der Software (Mojang) reger Austausch besteht, wenn sogar Mitarbeiter von Mojang selbst aktiv an diesem Server arbeiten und das für mehrere Jahre? Ganz klar JA! Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Mojang mit der Veröffentlichtung von Bukkit nicht einverstanden ist.
Und damit ist auch schon alles gesagt. Bukkit ist GPL, Frage geklärt ob ich es kommerziell nutzen darf, ich darf. Der gesamte Code von Bukkit und Craftbukkit (um diese Unterscheidung zumindest einmal hier aufgeführt zu haben) ist GPL/LGPL und darf kommerziell genutzt werden. Wenn ihr Bukkit runterladet geht ihr keinen Vertrag mit Mojang ein. Und würde nun Bukkit um diesen Eintrag ergänzt werden, bleiben 1. alte Versionen davon unberührt und 2. Verletzt damit Bukkit das Urheberrecht der GPL Autoren, da Bukkit nun nämlich zwar mit einer GPL und damit FOSS Lizenz werben würde, die jedoch modifiziert wurde und eigentlich das genaue Gegenteil davon ist. Zumal es den Leuten außerdem freisteht einfach die letzte Version von Bukkit zu forken und getrennt weiterzuentwickeln.
Und was ist mit dem Client? Nun, der Client unterliegt verschiedenen Bedingungen welche Mojang auch durchsetzen kann. Jedoch können sich diese niemals an den Server richten, sofern dieser keinen Vertrag mich Mojang abgeschlossen hat. Mojang könnte nun einen haufen DRM und Schutzsysteme in den Client einbauen, damit dieser nicht länger auf nicht Mojang Server joinen kann, aber dann wäre natürlich von heute auf morgen Minecraft tot oder es gäbe eine Abwanderung in die Cracked Szene und Mojang hätte ebenfalls die Community verloren. Man könnte natürlich auch einen eigenen Client bauen, der dann ebenfalls komplett frei von Mojang wäre, auch wenn des natürlich extrem aufwendig wäre. Daten aus dem orginal Client dürfte man natürlich nicht verwenden, sollte aber eh klar sein.
Und am Rande vielleicht noch der Hinweis: Blizzard jagt seit Ewigkeiten private World of Warcraft Server. Inzwischen ist das zurückgegangen, da einfach die Welt zu komplex geworden ist um sie 1:1 zu kopieren, aber Blizzard hatte schon immer Probleme überhaupt eine rechtliche Handhabe gegen diese Server zu bekommen, dass sie auf komplett eigener Software laufen und das Protokoll nicht geschützt werden kann. Die meisten Verfahren stüzten sich daher auf die Missbräuchliche Verwendung von Marken.
Lustig ist das Thema natürlich trozdem, weil dadurch mal wieder zum vorschein kommt, wie jung und unerfahren die Minecraft Spieler eigentlich sind. Hätte Mojang die Monetarisierung nicht gewollt, hätten sie Bukkit in dieser Form nie erlauben dürfen.