Die Education-Version gibt es schon länger, selbst unter den Zeiten von Java. Immer wieder hört man davon, aber wie sieht die Umsetzung tatsächlich aus?
"Spielerisch lernen"
Die Digitalisierung an deutschen Schulen ist nach wie vor stark abhängig vom Bildungsträger, den Kommunen und den dafür zur Verfügung gestellten Budgets. Die Primarschulen haben, zumindest in Niedersachsen, nichts mit Digitalisierung am Hut. Daher wäre alleine dort der Betrieb von Minecraft Education deutlich schwerer zu realisieren als in den Sekundarstufen, in denen Computer oder tragbare Geräte bereits in den Klassen integriert wurden. Ich sehe die Education-Edition keinesfalls in weiterführenden Schulen oder gar Universitäten. Eher ist es ein spielerisches, praxisnahes Herangehen an Unterrichtsthemen, ohne großartig komplex zu werden. Schüler lernen mit Zettel und Stift, durch auditive Wahrnehmung und eventueller interaktiver Gruppenarbeiten deutlich weniger als bei motorischen Fächern wie Werken oder Textilarbeit. Eigenständig gebaute Modelle, die eine tiefere Auseinandersetzung mit einem Bauplan benötigen, und des anschließenden Erfolgserlebnisses, ist ein deutlicher Kontrast zum repetitiven theoretischen aufnehmen von Wissen.
Genau bei diesem Punkt könnte die Education-Edition tatsächlich hilfreich sein. Die Frage ist jedoch, ob diese zum aktuellen Zeitpunkt tatsächlich so ausgereift ist, dass diese lehrreich und zugleich effektiv ist. Wenn ich meine Schüler nur zwangsweise an den Computer setze, da die Schule die Lizenz für Office 360 und Minecraft erworben hat, bauen diese unter Umständen nur irgendeinen Müll.
Für das verstehen von grundlegenden physikalischen Gegebenheiten oder der Elektrizitätslehre (woran ich sofort gedacht habe) in der vierten Klasse können Redstone, Fackel, Verstärker und Komparator helfen eine Reihen- oder Parallelschaltung darzustellen. Natürlich ist das alles sehr rudimentär, aber um eine gesamte Unterrichtseinheit abzudecken, wird das wahrscheinlich nicht konzipiert worden sein, sondern eher als "Vertiefung" oder als Modell. Ganz besonders viel Potential sehe ich aber im Englischunterricht und der Geologie, wenn man diverse Items entweder auf Englisch benennen kann oder sich damit auseinandersetzt, welche Ressourcen, Mineralien oder Biotope es eigentlich gibt. Selbst banale Dinge wie Schafe, die durch eine Schere Wolle geben, oder Kühe die beim töten Leder und Rindfleisch geben, sind einfacher nicht zu erklären. Der anschließende Prozess, aus diesen Dingen neues herstellen zu können, kann zumindest die Urzeit im Geschichtsunterricht gut darstellen.
Was mich dennoch stört ist die fehlende Möglichkeit Modpacks zu integrieren. Ich als Lehrer würde sofort auf Modpacks aller Art zurückgreifen um die oben genannten Dinge komplexer erklären zu können, aber dies ist aufgrund der Windows 10 Edition nicht möglich.